… Hintergrundinfos, Literatur, Studien und weiterführende Links, um tiefer in die Themen einzusteigen. Wie verbreitet sind Grenzverletzungen in zirkuspädagogischen Kontexten? Welche strukturellen Bedingungen begünstigen diese? Hier werden auch Teile der Masterthesis, die Grundlage für diese Seite ist, veröffentlicht. Dazu passend gibt es Impulse und Materialien für die eigene pädagogische und künstlerische Praxis.

Hier findest du bald …

Als “kleiner” Einstieg in die Thematik ein Ausschnitt aus der Einleitung des Exposés zur Masterarbeit:

“Zirkus als Kunstform, als Element kultureller Bildung, als pädagogisches Instrument und als Unterhaltungsprogramm für Menschen unterschiedlichster Hintergründe bietet seit langer Zeit eine Welt, die fernab der gesellschaftlichen Realität und Normen zu funktionieren scheint. Mit Glanz, Musik und imposanten Showeinlagen wird ein breites Publikum begeistert und von alltäglichen Herausforderungen abgelenkt (vgl. Pruisken/ Winkler 2012 & 2013). Gleichzeitig ist Zirkus nicht losgelöst von gesellschaftlichen Machtverhältnissen zu betrachten. Historisch ist er auch mit kolonialen Kontinuitäten verbunden, die sich in Formen der Ausbeutung, Zur-Schau-Stellung und Instrumentalisierung marginalisierter Gruppen zeigen. Zirkus lässt sich daher nicht ausschließlich als unpolitischer Raum verstehen, sondern ist stets in gesellschaftliche und historische Kontexte eingebettet (vgl. Winkler 2023, 32).

Auch die Zirkuspädagogik ist Teil dieser Verhältnisse. Sie ist mit Herausforderungen wie Grenzverschiebungen und -verletzungen, sexualisierter Gewalt und Diskriminierung konfrontiert, die in engem Zusammenhang mit strukturellen Bedingungen und Machtverhältnissen stehen (Teubert/Vobbe 2023, 91 ff). Zirkuspädagogische Settings sind häufig durch körperliche Nähe, Vertrauen und informelle Hierarchien geprägt. Diese Strukturmerkmale können sowohl pädagogische Potenziale eröffnen als auch Risiken für Grenzverschiebungen und Unsichtbarkeit von Gewalt begünstigen (Breutmann 2023, 59).

Sexualisierte Gewalt in pädagogischen Kontexten ist ein strukturelles Problem, das eng mit Macht- und Abhängigkeitsverhältnissen verwoben ist. Während in Bereichen wie Schule oder stationäre Jugendhilfe bereits verstärkt Forschung und Präventionsarbeit existieren, ist die Zirkuspädagogik bislang kaum systematisch untersucht worden.

Gleichzeitig fehlen intersektionale Analysen, die berücksichtigen, wie Differenzkategorien wie Geschlecht, Alter, Körpernormen oder Be_Hinderung die Erfahrungen und Risiken sexualisierter Gewalt beeinflussen.” 

(Monnerjahn 2026, 2)